Würde & Respekt

Respekt vor der kindlichen Persönlichkeit ist für uns die Basis im Umgang mit jungen Menschen. Ähnlich wie bestehende Schulen mit dieser pädagogischen Richtung wollen wir die Kinder als eigenständige Menschen respektieren und mit Würde behandeln.

Wir gehen davon aus, dass kein Kind wie das andere ist und es deshalb unmöglich ist, für alle dasselbe zu planen. Haben sie nun die Möglichkeit nach ihrem ureigenen „inneren“ Plan ohne Druck von außen zu lernen, vermeiden wir Arbeitswiderwille, Langeweile und Desinteresse, die oft zu einer ablehnenden Haltung gegenüber der Schule führen.

Kinder müssen nicht zu Menschen erzogen werden, sie sind es bereits. Zur Anerkennung ihrer Persönlichkeit gehört auch, dass sie in Ruhe arbeiten können. Spontane und kreative Arbeit ist ein Teil der kindlichen Persönlichkeit. Sie sollte nicht gestört und auch nicht korrigiert werden, damit diese Spontaneität und Freiwilligkeit nicht verloren gehen.

Kinder haben ein anderes Zeitgefühl als Erwachsene. Ihre Zeit verstreicht subjektiv langsamer. Erwachsene „haben“ wenig Zeit. Das bewirkt, dass sie nicht nur Kindern kaum Zeit schenken, sondern auch, dass sie nicht verstehen, dass Kinder nicht nur Zeit „brauchen“, sondern auch Zeit „haben“. Die Schule soll den Kindern die Zeit und Geduld zukommen lassen, die sie brauchen, um ihre Entwicklung in ihrem persönlichen Tempo vor sich gehen zu lassen.

Die Schulzeit ist ein Teil des Lebens. Wir möchten nicht, dass unsere Kinder vielleicht mit 25 Jahren ein erfolgreiches Leben führen werden. Unsere Kinder sollen imstande sein, von Geburt an bis an ihr Lebensende ein glückliches Leben führen zu können. Schule bedeutet also einen ganz normalen Teil in ihrem Leben, der sie nicht auf irgendetwas vorbereiten soll, sondern indem sie sich, wie in jedem anderen Abschnitt ihres Lebens entwickeln und entfalten können. Schule kann daher nicht getrennt zum Familienleben gesehen werden, sondern als ein verlängerter Ast der Familie, in der sich Kinder wie Erwachsene wohlfühlen sollen.

Zu leicht werden Lehrer, Erzieher und Eltern dazu verleitet, das, was man heute von Kindern verlangt, aus dem zu begründen, was vielleicht eines fernen Tages für sie nützlich sein könnte. Damit wird die Gegenwart der Kinder an eine ungewisse Zukunft verraten. Wir sind überzeugt, dass Kinder von sich aus lernen wollen, aber zum Wollen gehört auch das Nicht-wollen und das Noch-nicht-wollen, weil jedes Kind sein eigenes Tempo bestimmt.

„Wir warten, warten und warten auf das, was angeblich kommt. Das Warten macht uns unfähig zu leben. Tagsüber warten wir auf den Feierabend, während der Woche warten wir auf das Wochenende, während des Jahres warten wir auf den Urlaub - ständig warten wir auf das, was wir dann unter „Leben-können“ verstehen. Und so läuft es im ganzen Leben: Als 12jähriger haben wir schon begonnen zu warten, bis die Schule zu Ende ist. Als 16 jähriger haben wir gewartet, bis wir mündig sind. Dann kommt „es“! Dann haben wir auf das Ende des Studiums gewartet, dann auf den guten Job, dann auf die Gründung einer Familie, dann warten wir auf den Moment, wo die Kinder aus der Schule sind, dann auf den Ruhestand-und dann? Das Warten auf den Tod? Was soll noch bleiben, wenn man das ganze Leben gewartet hat?“ (Hans A. Pestalozzi)