Umsetzung

"Denken ist einfach, Handeln ist schwierig, aber seinem
 Denken gemäß handeln ist das Schwierigste auf der Welt."
(Leonardo da Vinci)

Um diese Erziehung realisieren zu können, bedarf es eines feinen Zusammenspiels von Inhalt und Organisation. Der Inhalt bedingt die Organisation. Nur mit einer bestimmten Organisation läßt sich ein bestimmter Inhalt umsetzen und verwirklichen.

Die Umsetzung des Konzepts hat sich am Menschen als biologisches System mit Kultur zu orientieren. Erziehung bedeutet daher für uns nicht, dass wir das Kind, den Menschen ändern wollen. Wir wollen den Kindern nichts lernen. Das brauchen wir gar nicht, denn der Mensch ist zum Lernen geschaffen. Leben ist Lernen! Das heißt, dass niemand - auch nicht die Schule - den Menschen erst zum Lernen bringen muss. Das schließt aber ein, dass niemand – auch nicht die Schule - den Menschen vom Lernen abhalten soll. Daher kann nicht das Lehren im Mittelpunkt unserer Schule stehen, sondern das Zulassen und Ermöglichen von individuellen Lebens- und Lernprozessen durch authentische Begegnungen mit der Wirklichkeit. Authentische Begegnungen, das heißt unmittelbar und unverfälscht erlebte, also echte Begegnungen. Sie sind eben nur innerhalb eines bestimmten äußeren und inneren Rahmens möglich.

Wir verwechseln nicht Bildung mit Intelligenz. Was nützt ein gebildeter Intellekt, der nichts versteht? Er nützt nichts, er schadet sogar enorm. Unsere Welt ist voll von Beispielen, wie mit gebildetem Unverstand Leben, mit all seinen Prozessen, beeinträchtigt, unterdrückt und vernichtet wurde und wird. Schule muss mit dazu beitragen, dass die ihnen anvertrauten Heranwachsenden Verständnisstrukturen aufbauen können. Es darf in der Schule nicht um Wissen gehen, sondern um Verständnis.

Unser Ansatz schließt die Zukunft mit ein, indem wir im Jetzt leben. Wir wollen nicht irgendwelchen fiktiven Anforderungen, die eine ebenso fiktive Zukunft angeblich an uns stellt im voraus nachlaufen. Das führt am eigentlichen Lebenszweck der Selbstschaffung und Selbstverwirklichung vorbei.

Sich seinen Anlagen gemäß zu entwickeln bildet als Lebensgefühl die „Sicherheit-seiner-selbst“ aus. Sich-seiner-selbst-sicher-sein unterstützt die autonome Interaktion mit der Umgebung, was wiederum für den Aufbau und die Schaltung von Verständnisstrukturen entscheidend ist. Sicherheit-seiner-selbst und Verständnis sind geeignete Voraussetzungen um bei Bedarf neue Lösungen in der Gegenwart einer späteren Zeit zu finden.